22.10.2010
Traditionell spucken die in Kalifornien ansässigen Designhäuser der großen Hersteller jedes Jahr für den Designwettbewerb der L.A. Auto Show in die Hände. Allerdings hat es in letzter Zeit gewisse Abwanderungstendenzen gegeben. Wohl auch deshalb machen heuer erstmals auch "nichtkalifornische" Auto-Vordenker mit. Neun Teams stellen sich der Herausforderung, ein zukunftsweisendes Fahrzeug mit weniger als 1.000 Pfund, also ca. 500 Kilogramm Gewicht - insgesamt dürfen samt Insassen 1.500 Pfund nicht überschritten werden - und modernen Standards bei Sicherheit, Komfort und Leistung auf die Räder zu stellen, und sei es nur in der virtuellen Realität. Denn manche Technologie und die dazu benötigten Materialien sind noch wohltönende Zukunftmusik. Aber genau dafür sind Vordenker ja da. Die Vorschläge im einzelnen:
Aero + Era = ein Cadillac wie noch kein anderer! Das 2+2sitzige Coupé besteht aus einem polyedrischen, aus einem Stück geformten Gitterrohrrahmen mit einer flexiblen Polymer-Außenhaut anstelle einer konventionellen Karosserie. Beim Antrieb wird alternativer Treibstoff verwendet. Welcher Antrieb, welcher Treibstoff? - Abwarten!
"The pow[air] of dreams": Alternativ angetrieben wird auch dieses Gedankenspiel von Honda, nämlich von Druckluft. Anleihen nimmt das Fahrzeug bei modernen Hochschaubahnen und ähnlichen "rides". Außerdem haben die Designer an die beim Fallschirmspringen verwendeten Wing-Suits gedacht, die für Auftrieb sorgen und Gleitflüge möglich machen. 800 Pfund soll das Auto ohne Insassen auf die Waage bringen.
Wenn man sich die aktuellen Produkte der Mercedes-Tochtermarke Maybach vor Augen führt, so ist das vom japanischen Designhaus vorgelegte Konzept die denkbar radikalste Kehrtwendung: Vom Schlachtschiff zur Rikscha! Die traditionelle "Jin-Riki-Sha" vertraut auf Muskelkraft, der Maybach DRS ("Den-Riki-Sha") auf Elektroantrieb. Auf Luxus wird beim Innen- und Außenleben klarerweise markentypisch geachtet, genauest ausbalanciert rollt die DRS auf zwei Rädern durch die Megacity.
MX-nix: Elektrisch bewegt sich auch der MX-0, allerdings konventionell auf vier Rädern. Weil jeder Komponente des Fahrzeuges möglichst viele Funktionen zugeordnet worden sind, besteht das ganze Auto insgesamt aus wenigeren, umfangreich umdesignten Bauteilen. Konventionell ist am MX-0 also "nix" mehr, das Bewegungserlebnis soll eher ans Fliegen denn ans Fahren erinnern. Genauere Details verrät Mazda noch nicht!
Vollends ins Ökosystem integriert zeigt sich diese Studie mit den fast schon unvermeidlichen stilistischen Anleihen an den Flügeltüren-Mercedes SLS. Dieses Fahrzeug wird allerdings nicht gebaut. Denn es wächst. Aus zwei Samenkörnern. Eines fürs Exterieur, eines fürs Interieur. Allfällige Extrawünsche (wir wissen ja alle um die umfangreiche Optionenliste der Marke) werden mittels Gentechnik hergestellt. Vielleicht kann man's auch essen?
Superleicht und organisch ist auch der iV von Nissan, hier werden allerdings die Einzelteile "angebaut" und dann konventionell zu einem Auto montiert. Alles an diesem Auto ist in Richtung biologischer Verträglichkeit und Leichtgewicht entwickelt. Die genetischen Grundlagen liefern das schnellwachsende Efeu ("ivy", deshalb der Name iV) und die extrem belastbaren Spinnweben.
Smart will uns häkeln: Wofür 454 steht, wird nicht verraten, jedenfalls geht's nicht um den Hubraum. Auch dieser Smart hat eine Tridion-Zelle wie der aktuelle fortwo, sie ist allerdings gehäkelt, und zwar aus Kohlefasermaterial von Fertigungsmaschinen namens SGRs (Smart Granny Robots). Nur die Oma strickt noch besser!
Toyotas kalifornisches Designstudio greift ebenfalls auf Ansätze aus der Natur zurück. "Nori" ist Seetang, dessen Bio-Code man für Materialfestigkeit und Formbarkeit anzapft. Dazu kommt im Materialverbund auch Kohlefaser. Chassis und Body sind als sogenanntes "podular" (pos + modular) eine Einheit. Bei Toyota verfolgt man ebenfalls die Idee der weitestmöglichen Reduktion von Bauteilen durch besonders cleveres Design.
Luftig leichte Schwedenbombe: Beim Volvo Air Motion spielt wieder die Druckluft die Hauptrolle als Antriebsform. Skandinavisches Design und unverfälschtes Fahrerlebnis ohne ökologische Reue versprechen die schwedischen Vordenker; das klingt zu schön, um wahr zu sein - aber vielleicht wird es ja irgendwann doch wahr!
Alfa Romeo Honda Mitsubishi Aston Martin Hummer Nissan Audi Hyundai Opel Bentley Infiniti Peugeot BMW Jaguar Porsche Bugatti Jeep Renault Cadillac Kia Rolls Royce Chevrolet KTM Saab Chrysler Lada Seat Citroen Lamborghini Skoda Corvette Lancia Smart Dacia Land Rover SsangYong Daihatsu Lexus Subaru Dodge Maserati Suzuki Ferrari Maybach Toyota Fiat Mazda Volvo Ford Mercedes VW GM Mini