Kurz vor den deutschen Wahlen scheint sich doch noch etwas zu bewegen in der unendlichen Geschichte um den Verkauf der europäischen GM-Tochter Opel. In jüngerer Zeit stand das eigentlich bereits im April fixiert geglaubte Geschäft auf der Kippe. Im Zuge des Schrittes in die Insolvenz gab GM-General Fritz Henderson bekannt, es werde auch mit den anderen Bietern, dem chinesischen Unternehmen Beijing Auto (BAIC) und der Investmentfirma RHJI, weiterverhandelt. RHJI galt als Favorit der Amerikaner, weil die Investmentfirma einen Rückverkauf von Opel an GM ausdrücklich nicht ausgeschlossen hat.
Henderson hat sich vor einigen Tagen eine bemerkenswerte Abfuhr bei seinem eigenen Aufsichtsrat geholt, an den er die Magna-Variante als ideale Lösung herantrug: Man beschied ihm, nochmals alle Möglichkeiten zu prüfen. Die Gruppe Magna/GAZ/Sberbank wiederum war von Anfang an der Favorit der deutschen Politiker und Gewerkschafter, denn Stronach, Deripaska & Co. wollen keine deutschen Werke schließen. Die ca. 10.000 Arbeitnehmer, die abgebaut werden sollen, sind in Spanien und Großbritannien zuhause, dort sind die Gewerkschaften dem Magna-Deal gegenüber entsprechend reservierter.
Streitpunkt war stets der Zugang zu aktueller Opel/GM-Technologie für Oleg Deripaskas russische Autofirma GAZ. Und als neueste, und wohl auch unwahrscheinlichste, Möglichkeit tauchte in den letzten Tagen das Szenario auf, GM werde überhaupt nicht verkaufen, sondern den unmittelbaren Finanzbedarf von Opel selbst finanzieren und einen drastischen Sparkurs fahren - verbrämt mit düsteren Botschaften in Richtung der Opel-Werke in Bochum und Eisenach.
Der Wechsel der Mehrheitsanteile von 55 Prozent zu Magna & Co. ist nun seitens General Motors - wieder einmal - beschlossene Sache. Von den deutschen Staats- und Landesstellen ist kein Widerstand zu erwarten. Zustimmen muss jetzt auch noch die Opel-Familienstiftung.
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