Zwei Dinge braucht ein Pickup, wenn er erfolgreich sein soll: Neben einer brauchbaren Ladekapazität muss er auch geländetauglich sein. Denn in den bevorzugten Einsatzgebieten in Südamerika, Afrika und Asien sind Straßen nach europäischem Standard (und wir rechnen da sogar österreichische Autobahnen mit ein) eher die Ausnahme. Wenn die Familie Amarok erst einmal vollzählig ist, wird VW zwei Versionen mit Allrad und eine Variante mit konventionellem Heckantrieb im Angebot haben. Letztere soll vor allem das (europäische) Lifestyle-Publikum ansprechen, das sein AutofahrerInnen-Glück weniger auf Schotter und Sand als in der City und auf dem Boulevard sucht.
Angetrieben wird der Amarok von einem zwei Liter großen Vierzylinder-Dieselmotor, der je nach Ausführung 90 kW / 112 PS oder 120 kW / 163 PS leistet. Die stärkere, für die ersten Tests zu Verfügung stehende Version, wird mittels zwei Turbos in Trab gebracht, die schwächere verfügt über einen einzelnen Lader. Dank 400 Nm maximalem Drehmoment packt die längs eingebaute Maschine kräftig zu, ein manuelles Sechsganggetriebe sorgt für die möglichst verlustfreie Weitergabe an die Antriebsräder. Ein Automatikgetriebe soll erst 2012 folgen. Der Euro-5-genormte Diesel verbraucht im EU-Zyklus 7,8 Liter je 100 Kilometer. Mit diesem Wert steht der neue "Pritschenwagen" gut da. Einer seiner Konkurrenten auf dem österreichischen Markt, der Ford Ranger, braucht mit etwas geringerer Leistung circa 9,3 Liter.
Ob man sich in Sachen Allrad eines traditionellen zuschaltbaren Vierradantriebs bedienen möchte oder auf modernere Audi-Permanenttechnik zurückgreift, liegt in der Entscheidungshoheit der Kunden. Zuschaltbares 4X4, wie es auch von vielen Mitbewerbern bevorzugt wird, bietet den Vorteil einer Geländeuntersetzung. Sie kann auf schwierigem Geläuf den entscheidenenden Traktionsvorteil bedeuten. Für die überwiegende Zahl der fahrtechnischen Herausforderungen genügt auch der permanente 4x4-Antrieb mit einem Torsen-Differenzial für die Kraftverteilung, aber ohne Untersetzung.
Der Kleinlaster braucht sich so gerüstet auch jenseits der Straße nicht vor klassischen Geländewagen zu verstecken. Steigungen bis zu 100 Prozent meistert er ebenso wie steile Abfahrten. Das Offroad-ABS lässt ein kurzzeitiges Blockieren der Räder zu, damit der Reifen einen Kieskeil vor sich herschieben und so die Bremswirkung vergrößern kann. Hinterachssperre und Getriebeuntersetzung für maximale Traktion vervollständigen die Geländeausstattung. Obwohl nach bekannter Art mit Leiterrahmen, Starrachse hinten und Blattfedern gebaut, legt der VW Amarok guten Fahrkomfort an den Tag. Limousine ist er keine, aber auf der Testfahrt mit längeren Schotter- und Asphaltpassagen machte das Fahrwerk einen ausgewogenen und ausreichend bequemen Eindruck. Die Lenkung ist für präzise Geländemanöver ausreichend direkt und die Geräuschentwicklung geht über das für einen Pickup angemessene Niveau nicht hinaus.
"Nutztiere" wie der Amarok können selten mit Wohnlichkeit im Innenraum glänzen, und der VW-Newcomer macht da keine Ausnahme. Immerhin bemüht sich der Hersteller, durch (optionale) Chromapplikationen und andere Merkmale ein bisschen Flair in die Optik zu bringen. Die kastenförmige Bauweise schafft ein gutes Raumgefühl, auf den hinteren Sitzen ist der Knieraum beschränkt. Die Komfortausstattung ist ebenso wie das Angebot an serienmäßigen Sicherheitseinrichtungen beispielgebend für das Segment. An allen Seitenscheiben gibt es elektrische Fensterheber. ESP und Seitenairbags sind in allen Varianten ab Werk an Bord.
Die Preise will der Hersteller noch nicht verraten. Sie sollen sich an den Konkurrenten wie Toyota Hilux, Nissan Narava oder Mitsubishi L200 orientieren.
mid/afb
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