In Berlin steht derzeit ein besonders seltenes Stück amerikanischer Autogeschichte zum Verkauf: Ein Chrysler Imperial Dual Cowl Phaeton, Baujahr 1931, von dem 85 Stück hergestellt wurden. Weltweit sind heute nur mehr ganze elf verbliebene Exemplare bekannt. Er gilt als der schönste jemals gebaute Typ der Marke Chrysler - und als einer der teuersten dazu. Die Seltenheit und der gute Zustand des weinroten 8-Zylinder-Wagens mit Weißwandreifen, Speichenrädern und Lederausstattung bedingen den ausgeschriebenen Preis von 289.000 Euro.
Die Imperial-Modelle waren seit 1926 stets die größte und luxuriöseste Baureihe der Chrysler Corporation. Ab 1957 wurde die Modellreihe zur eigenen Marke erhoben und stand bis zum Ende im Jahr 1976 (über einen versuchten Relaunch in den 1980ern soll hier der Mantel des Schweigens gebreitet werden) zeitweise auf gleicher Augenhöhe mit den arrivierten internationalen Luxusmarken. Zurück in die '30er: Im Modelljahr 1931 erschien im Juli mit der Serie CG ein komplett neuer Imperial, der sich aufgrund der damaligen Weltwirtschaftskrise allerdings nicht sehr gut verkaufte. Daher auch die geringen Stückzahlen: Von den immerhin 14 Modellvarianten - Roadster, Coupés und Limousinen sowie ein "Town Car" als Einzelanfertigung für die Gattin des Firmengründers Walter Chrysler - wurden insgesamt nur 3.228 Exemplare produziert. Das exklusivste und teuerste Modell war der "Dual Cowl Phaeton". Kostenpunkt: 3.575 US-Dollar. Zum Vergleich: Ein Ford A Roadster, immerhin mit einem 3,3-Liter-Motor bestückt, kostete im gleichen Jahr bescheidene 475 Dollar.
Die Fahrgestelle der Modellreihe haben einen einheitlichen Radstand von 3.683 mm, unterscheiden sich jedoch erheblich in den Aufbauten. Der Aufbau des Wagens wurde vom damals berühmten Karosserier LeBaron entwickelt. (Später wurde dieser Name zu einer Modellbezeichnung bei Chrysler.) In der Linienführung vom Cord L 29 inspiriert, der damals neben Duesenberg als Amerikas elegantestes Automobil galt, ist die Version "Dual Cowl Phaeton" sozusagen ein langgestreckter Roadster mit vier Türen und vier Sitzen. Diese Bauweise gab es nur für wenige Jahre und verschwand aufgrund des hohen Aufwandes bereits im Lauf der 1930er wieder. Eine Besonderheit besteht darin, dass die Passagiere im Fond des Wagens durch eine separate, umlegbare Windschutzscheibe geschützt sind, damit sie eine Fahrt bei offenem Verdeck selbst bei hoher Geschwindigkeit genießen können.
Der 8-Zylinder-Reihenmotor mit seinen 6,3 Litern Hubraum und einer neunfach gelagerten Kurbelwelle erzeugt bei 3.200 Umdrehungen 125 PS, was für damalige Zeiten eine absolute Spitzenleistung darstellt. Auch die hydraulischen Bremsen und die mit der Lenkung kombinierten Zusatzscheinwerfer für das Kurvenlicht waren bereits sehr fortschrittlich - und sind es heute noch. Eine stilistische Besonderheit ist die Kühlerfigur: Es handelt sich um eine Oryx-Antilope, die in Afrika und auf der Arabischen Halbinsel lebt und besonders dort für ihre Schönheit und Schnelligkeit verehrt wird.
Der künftige Besitzer dieses imposanten Gefährts kann sich übrigens trotz des hohen Alters an einem technisch einwandfreien und beinahe jungfräulichen Zustand des immerhin bald 80 Jahre alten Fahrzeugs erfreuen. Denn seit einer kompletten Restaurierung in den 70er-Jahren hat der bildschöne Imperial nur 1.845 Meilen oder nicht ganz 3.000 Kilometer zurückgelegt, die meisten davon bei hochkarätigen Wettbewerben und Ausfahrten im Rahmen internationaler Oldtimer-Veranstaltungen, wobei er mehr als einen Concours dElegance als "Best of Show" verlassen hat.
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