Honda Jazz 102 PS Benziner - Testbericht

Der poppige Cityflitzer Jazz belebt nicht nur durch sein Erscheinungsbild das Grau in Grau der urbanen Asphaltstraßen. Er weiß auch durch seine inneren Werte zu begeistern.

2015 brachte der japanische Konzern Honda die dritte Generation des Jazz in unsere Verkaufshallen. Laut dem Hersteller soll er neue Maßstäbe im Kleinwagensegment setzen. Grund genug, uns den kleinen Japaner mal aus der Nähe zu betrachten.

In Sachen Motorisierung machen es einem die Asiaten recht einfach: Es gibt einfach nur einen, den neuen 1,3 i-VTEC-Benziner mit 102 PS. Die Qual der Wahl hat man dann eher mit den drei Ausstattungslinien, wobei wir uns für die mittlere mit dem vielversprechenden Namen "Comfort" entschieden haben.

Preislich beginnt der Jazz bei 16.250 Euro. 17.265 Euro werden es, wählt man die Comfort-Linie. Diese beinhaltet jedoch für ihr Geld wahrlich eine Fülle an Ausstattungsfeatures. Beginnen wir mit den inkludierten elektronischen Helferlein: Im Stadtverkehr sicherlich hilfreich ist das City-Notbremssystem, das seinen Beitrag zu einem minimaleren Unfallrisiko leistet. Ein Spurhalteassistent, der optisch und akustisch vor "Grenzübertritten" warnt sowie ein Kollisionswarnsystem gehören ebenfalls dazu.

Die Berganfahrhilfe verhindert ein ungewolltes Zurückrollen und die Verkehrszeichenanzeige hoffentlich die Anzahl an Strafmandaten wegen Geschwindigkeits- übertretung. Besonders praktisch ist der Fernlichtassistent, der gemeinsam mit dem Tempomat das Fahren auf Autobahnen besonders angenehm gestaltet.

Ein wirklicher Blickfang im Interieur ist das 7-Zoll HondaConnect-Display, welches bei diesem Testfahrzeug die Anzeige der Multimediainhalte einschließlich Internetradio und AHA-App, des Handys und der Fahrzeuginformationen anzeigt. Optional könnte dies durch ein Navigationssystem erweitert werden, was uns aber auch nicht gefehlt hat.

Als einzige Sonderausstattung wurde unser Jazz mit einer gelben Pearllackierung und Sitzheizung vorne ausgerüstet, die mit knapp 750 Euro den Gesamtpreis des Testfahrzeuges auf 18.010 Euro anheben. Damit schnürt Honda ein wirklich geniales Preis-Leistungspaket für dieses Segment, besonders wenn man die darin beinhalteten Extras der Ausstattung berücksichtigt.

Gut aufgeräumt und übersichtlich zeigt sich der Innenraum mit innovativen Lösungen, wie den fahrerseitigen ausklappbaren Becherhalter. Das Multifunktionslenkrad ermöglicht eine rasche Bedienung des Bordcomputers und des Honda Connect-Systems. Eine farblich wechselnde Hinterlegung des Tachometers zeigt dem Fahrer an, ob er spritsparend unterwegs ist oder zum Bleifuß neigt. Insgesamt fühlt man sich gleich von Beginn an im Jazz wohl.

Die manuell einstellbare Klimaanlage lässt sich gut von den Fahrersitzen aus erreichen und macht auch bei Regen oder im Winter keine Probleme. Apropos Winter: Wer gerne auch bei Salzfahrbahn saubere Scheiben möchte, sollte ein Flascherl Scheibenwaschflüssigkeit mit an Bord haben, denn das gefühlte Fassungsvermögen von etwas mehr als einem halben Liter ist rasch aufgebraucht.

Betrachtet man den Honda hinsichtlich seiner Größe von außen, neigt man dazu den Anspruch auf großzügige Innenraumdimensionierung bewusst ebenso klein zu halten. Doch hier irrt man gewaltig. Problemlos nimmt man hinter dem Lenkrad Platz. Die beiden Sitze sind manuell einstellbar, sodass man recht rasch die richtige Position hinter dem Volant findet. Bei einer Körpergröße von etwa 1,85 m wirft man dann jedoch unweigerlich einen Blick nach hinten. Hier versetzt einen der Jazz in Staunen. Mit einem Zuwachs von knapp 10 cm Außenlänge und einem 3 cm größeren Radstand haben die japanischen Ingenieure einen Innenraum in einem Kleinwagen geschaffen, der auch im Fond Mitreisende angenehm sitzen lässt. Immerhin sind es 11 cm mehr Beinfreiheit und 6 cm mehr Kniefreiheit als im Vorgänger, und das ist für ein Fahrzeug dieser Klasse bedeutend. Die Rückbank ist für drei Personen ausgelegt, jedoch ist dies nur für Schlanke im Notfall eine wirkliche Option.

Will man in den Urlaub fahren oder nutzt den kleinen Stadtflitzer als kleinen Transporteur, so bietet Honda mit seinen "Magic Seats" und vier Verstellmöglichkeiten (einschließlich senkrecht aufstellbaren Rücksitzen) für alle Fälle die ideale Lösung. In Sachen Ladevolumen beginnt der Stauraum bei 354 Litern und endet nach dem Umklappen der Rückbank bei 1.314 Litern. Dabei steht eine 1,5 m lange Ladefläche zur Verfügung.

Kommen wir zum Motor: Dem neuen 1,3 Liter-Benziner nimmt man seine 102 PS ohne Weiteres ab. Er zeichnet sich besonders durch seine Drehfreudigkeit aus, was man ausnutzen sollte, will man die volle Leistung, die er erst bei 6.000 U/min erreicht, ausschöpfen. Sein Drehmoment liegt bei 123 Nm und wird bei 5.000 Touren erreicht. Wählt man die Konkurrenz mit Bedacht, so kann der Jazz durchaus manchen Ampelsprint für sich entscheiden. Auf 100 km/h beschleunigt er in 11,3 Sekunden.

Positiv ist uns der kleine Honda bei Überlandfahrten aufgefallen. Auf Autobahnen fährt es sich problemlos im Verkehr mit, und bei passenden Gangwechseln sind auch Überholmanöver keine Herausforderungen. Das neue Sechs-Gang-Getriebe (der Vorgänger besaß nur fünf Gänge) dürfte man eher in Hinblick auf eine Kraftstoffersparnis verbaut haben. Bei einer Geschwindigkeit von 130 km/h (Höchstgrenze wären 190 km/h) dreht der kleine Jazz im 6. Gang derart hoch, dass die Dämmung nicht mehr viel nützt und man sich sehnlichst einen siebenten Gang wünschen würde. Wobei die Klangkulisse des Aggregats sich stark an den raueren "Joe-Cocker"-Bereich hält. Jedoch konnten wir während der Testzeit feststellen, dass sich das Ohr des Fahrers daran gewöhnt. Nach einiger Zeit nimmt man den Motor auch nicht mehr wahr. Außerdem sind die Lautsprecher im Jazz gut dimensioniert.

Eine präzise und dennoch leichtgängige Lenkung und ein zu dem vier Meter großen Gefährt passendes Fahrwerk lassen durchaus Spaß beim Fahren aufkommen. Für jenen beim Einparken sorgen Parksensoren vorne und hinten. Zwar konnten wir den mit fünf Litern angegebenen Verbrauch nicht wirklich erreichen, zeigen uns aber auch mit 6,5 Litern zufrieden.

Insgesamt wusste der Jazz uns in vielerlei Hinsicht positiv zu überraschen. Vor allem ist er ein Tipp für all jene, die viele Features um wenig Geld suchen und einen Kleinwagen, der durchaus mit der Kompaktklasse mithalten kann.

Was uns gefällt:

Innenraum, Magic Seats, Preis-Leistungsverhältnis

Was uns nicht gefällt:

Rauer Motor, kleiner Waschbehälter für den Winter

Testzeugnis:

Ausstattung Sicherheit: 1
Ausstattung Komfort: 1-
Verbrauch: 2
Fahrleistung: 2
Fahrverhalten: 1
Verarbeitung: 1
Platzangebot Fahrer/Beifahrer: 1
Platzangebot Rückbank: 2-
Kofferraum: 2
Ablagen: 2
Übersichtlichkeit: 1-

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