Die Atmosphäre war dicht auf der 69. Ausgabe der EICMA in Mailand. Einerseits aufgrund des erwarteten - und eingetroffenen - Ansturms bereits an den Presse- und Händlertagen am 8. und 9. November, andererseits wegen der derzeitigen italienischen politischen und internationalen wirtschaftlichen Turbulenzen. Angesichts dessen war die Stimmung mehr ange- als entspannt. Möglicherweise auch deshalb, weil einige der spannendsten Neuheiten bereits im Vorfeld kommuniziert worden waren: teils in Appetit anregenden Häppchen - siehe Ducati 1199 Panigale und BMWs neue Roller -, teils in vollem Detail-Umfang - siehe Piaggio Beverly 350ie -, teils mit bereits der Presse präsentierten Serien-Produkten - siehe Honda Integra und auch die modellgepflegte Kawasaki ER-6. Damit schien nicht mehr (sehr) viel wirklich Neues zu erwarten zu sein. Es folgte aber doch die eine oder andere echte Novität - siehe unter anderem die komplett erneuerte KTM 690 Duke und die neue 200 Duke, die neue Kawasaki Versys 1000, der neue Piaggio X7, die neuen Mittelklassler von Honda namens C700X und C700S.
Das allgemeine Trend-Barometer zeigt stark in Richtung Roller. Und zwar
zu starken. BMW kehrt in dieses Segment zurück, mit zwei
Zweizylinder-Varianten. Mit dem C in der Typen-Bezeichnung, aber ohne
Dachkonstruktion, dafür mit beachtlichem Hubraum, nämlich 650 ccm. Im
Piaggio-Konzern steht der Aprilia SRV 850 in den Startlöchern und auch
das neue Piaggio-Flaggschiff namens X10. Yamaha hat die Ikone der
sportlichen Mega-Scooter optisch und technisch upgedatet.
Neu belebt ist die Hubraum- und Leistungsmittelklasse. Unter den Neuen
fährt allen voran Honda mit dem neuen 700 ccm-Parallel-Twin, der das
Crossover-Gefährt Integra befeuert - eine Kreuzung aus Roller und
Motorrad - und auch die beiden Varianten der C700-Baureihe.
Weiterentwickelt hat der Piaggio-Konzern die mittlere Leistungs-Klasse,
konkret Moto Guzzi mit der V7, deren Motor neu bearbeitet ist. Im
Segment der großen Reise-Enduros eröffnet Triumph mit der Tiger 1200
Explorer gezielt die Jagd auf BMWs Flaggschiff GS. Honda zieht hier mit
der Crosstourer, Kawasaki mit der Versys 1000 mit.
Mit Spannung erwartet und bereits am Vorabend der Messe, am 7. November,
beklatscht worden war vor allem das neueste Superbike aus Italien, die
Ducati 1199 Panigale. Sie hat bereits gewonnen: Sie wurde von den
Messe-Besuchern zum schönsten Motorrad der EICMA 2011 gekürt. Auf dem
zweiten Platz landete eine megascharfe Exotin: die dreizylindrige MV
Agusta Brutale 3, die neue nackte Schwester des neuen Superbikes F3.
Rang drei bekam eine mit schwedischem Namen, die unter deutscher
(BMW-)Flagge segelt, zugesprochen: die Husqvarna Nuda 900.
Nach sechs Tagen EICMA zieht die Messeleitung, sichtlich erleichert,
Bilanz: mehr als eine halbe Million registrierte Besucher, davon alleine
rund 6.000 Vertreter verschiedenster Medien. Auf etwa 58.000 m² Fläche
wurden in sieben Pavillons die Produkte von 1.462 Herstellern
präsentiert. Die stammten aus 44 Ländern und von fünf Kontinenten:
Europa (77 %), Asien (14 %), Amerika (7 %), Afrika (1,5 %), Ozeanien
(0,5 %).
Die EICMA wird 2012 wieder stattfinden. Es ist ein rundes Jubiläum, denn es ist die 70. - Der genaue Termin stand bei Redaktionsschluss noch nicht fest. Fest steht der Termin für die "Motorrad Linz", die Gelegenheit, alle Neuheiten in Österreich zu sehen. Sie zieht, traditionsgemäß, von 10. - 12.2.2012 ins Design Center in Oberösterreichs Landeshauptstadt ein (www.bikelinz.at).
Info: www.eicma.it
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