Knapp vor der Premiere des neuesten Bologneser Superbikes gibt Ducati Einblick in den Motor, das "Superquadro" getaufte V2-Triebwerk mit den beeindruckenden Leistungsdaten 195 PS und 135 Nm Maximal-Drehmoment. Bei dessen Entwicklung sahen sich die Techniker mit einem diffizilen Auftrag konfrontiert: gleichermaßen Leistung, Drehmoment und Fahrbarkeit verbessern, Fahrzeuggewicht und Wartungskosten senken. Dabei wurde ihnen gleichzeitig freie Hand gelassen.
Der Superquadro-Motor, der seinen Namen einem überquadratischen Bohrung/Hub-Verhältnis verdankt, verknüpft die genannten rohen Leistungs-Werte mit benutzerfreundlichen "riding modes", mit denen sich die Leistungsentfaltung auf Fahrer, Situation und Vorlieben abstimmen lässt. Gleichzeitig konnten die Hauptservice-Intervalle auf 24.000 km verlängert werden.
Vom ursprünglichen Werk Fabio Taglionis ist nur noch die 90° L-Konfiguration und die desmodromische Ventilsteuerung geblieben - alles andere ist brandneu.
Nachdem der Motor erstmals als voll tragendes Element auftritt, wurde sein Aufbau im Sinne einer optimalen Fahrzeuggestaltung (Layout, Gewichtsverteilung, Steifigkeit) komplett neu überdacht. Die Zylinder - die weiterhin im 90°-Winkel zueinander stehen - wurden um 6° um die Kurbelachse nach hinten gedreht, sodass der vordere Zylinder nun 21° über die Horizontale geneigt ist. Dadurch konnte der gesamte Motor um 32 mm weiter vorne positioniert werden, was unter anderem die Montagepunkte für die Monocoque-Konstruktion des Panigale-Rahmens in eine optimale Ausgangslage bringt.
Die Motorgehäuse werden im Vacural®-Verfahren im Vakuum gegossen, das minimales Gewicht, gleichmäßige Wandstärken und erhöhte Steifigkeit garantiert. Sie formen auch einen Wassermantel um die Zylinder und eliminieren den klassischen Verbund von Zylinderfuß und Motorgehäuse.
Der Motor verfügt über separate Nikasil-beschichtete Laufbuchsen, die
direkt in die Öffnungen des Kurbelgehäuses eingesetzt werden. Das
erlaubt eine exakte Verschraubung der Zylinderköpfe direkt mit dem
Motorblock, bessere Abdichtung und schnellere Hitzeableitung von den
Buchsen in die umgebende Kühlflüssigkeit. Teile wie Primärtriebdeckel,
Kupplungsgehäusedeckel, Ölwanne und Ventildeckel sind aus leichtem
Magnesium-Guss. Ein herausragendes Detail ist auch die gleitgelagerte
Kurbelwelle, die bisher nur in der Desmosedici RR zum Einsatz kam. Der
Verzicht auf Kugellager erlaubt dickere Kurbelzapfen und verstärkte
Gehäuseabschnitte rund um die Hauptlager, was der hohen Leistung
entgegenkommt. Die Gleitlager werden über interne Bohrungen mit Öl
versorgt, das dank eines neuen Features aus der MotoGP-Welt rasch zurück
in den Ölsumpf transportiert wird. Die Rede ist von einer Vakuumpumpe,
die - angetrieben von der Haupt-Ölpumpenwelle - für ein konstantes
Vakuum im Kurbelgehäuse unter den Kolben sorgt. Auf diese Weise wird der
Überdruck eliminiert, der sich den abwärts gleitenden Kolben
entgegenstellt.
Die verbesserten internen Druckverhältnisse und höheren
Kolbengeschwindigkeiten haben radikale Auswirkungen. Dank eines
Bohrung/Hub-Verhältnisses von 112 x 60.8 mm erreicht der Superquadro
seine 195 PS bei 10.750 U/min und 135 Nm bei 9.000 U/min. Dieses
1.84:1-Verhältnis resultiert in ultrakurzem Hub, dadurch hohen
Drehzahlen, großen Zylinderflächen und geradezu gewaltigen
Ventiltellern: Die Einlassventile konnten von 43.5 auf 46.8 mm und die
Auslassventile von 34.5 auf 38.2 mm vergrößert werden.
Mit so großen Ventilflächen bei gleichzeitig hohen Drehzahlen sind
Titanventile gefragt, um die Massenmomente im Griff zu halten. Aus der
MotoGP-Technologie gesellen sich "super-finished" Öffner- und
Schließhebel dazu, die geringste Reibung und hohe Ermüdungsfreiheit
garantieren und bei der Produktion mit einem "Polymeric-like Carbon"
(PLC) Kunststoff beschichtet werden - in einem speziellen Prozess, der
ursprünglich für die Luftfahrt entwickelt wurde.
Die aus dem Rennsport abgeleiteten Kolben verfügen weiters über extrem
steife Doppelsteg-Unterbauten und minimieren die Reibung an den
Laufflächen dank extrem kurzer Kolbenhemden - eine bei Ducati Corse
entwickelte Technologie. Die volumetrische Effizienz der größeren
Einlassventile wird durch vergrößerte ovale Einspritzkörper unterstützt,
die von 63.9 auf 67.5 mm Durchmesser gewachsen sind. Die per
Ride-by-wire angesteuerten Einheiten verfügen über zwei Einspritzdüsen -
eine unter der Drosselklappe für sensitive Gasannahme, eine darüber für
die volle Leistung.
Nach der Verbesserung der internen "Atmung" gingen die Entwickler daran,
leistungsoptimierte Mappings zu programmieren, ohne die Emissionen aus
den Augen zu verlieren. Dies gelang mit Hilfe eines Sekundärluftsystems,
das die Zerlegung unverbrannter Kohlenwasserstoff-Moleküle vollendet
und dabei auch die Kohlenmonoxid-Werte drastisch verbessert. Das System
schaltet sich ein, wenn die CPU über die Lambdasonde und die
Drosselklappensensoren spezifische Um- und Zustände erkennt. Dann wird
ein Ventil geöffnet, das vom Luftfilterkasten direkt zu einer Membran in
den Zylinderköpfen führt. Die Frischluft trifft dann im Auslasstrakt
nahe des Auslassventils auf den heißesten Punkt der Auspuffgase, was die
Verbrennung vorantreibt.
Sein Debut liefern wird der "Superquadro" in der brandneuen 1199
Panigale. Zu sehen auf der EICMA, Mailand, von 10. bis 13. November
2011.
Info: www.ducati.at
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