Autowerkstätten - Preise in Österreich und Osteuropa

Qualität und Kosten der erbrachten Leistungen im VKI-Test

Die Autokosten explodieren: Benzin, Versicherung und Reparaturen hinterlassen ein immer größer werdendes Loch im Börsel der Verbraucher. Kein Wunder, dass kolportierte Spar-Alternativen, wie die Verlagerung der Reparaturen ins benachbarte Ausland, mit Interesse verfolgt werden. Nicht nur von Konsumenten, sondern auch von Versicherungsgesellschaften. Eine Assekuranz überlegt ernsthaft, von der Versicherung zu bezahlende Reparaturen in die Nachbarstaaten zu verlagern. Doch sind die Reparaturkosten "drüben" wirklich so günstig? Zahlt es sich aus über die Grenze zu fahren? Und wie ist es um die Qualität der geleisteten Arbeit bestellt? 

Das Testmagazin "Konsument" ist diesen Fragen nachgegangen und hat Werkstätten in Tschechien, der Slowakei und Ungarn sowie in Wien, Niederösterreich und im Burgenland mit einem Autoservice beauftragt. Die Tester bauten acht gängige Mängel in vier Testfahrzeuge – Ford Focus, Opel Vectra, Peugeot 205 und VW Polo – ein und brachten sie in Vertragswerkstätten der jeweiligen Automarken zum Service. 24 heimische und ausländische Werkstätten gingen an den Start, um sich in Mängelbehebung und Kundenservice zu messen. Die "Konsument"-Tester bauten insgesamt acht Mängel ein, die eigentlich bei jedem Service entdeckt und behoben werden müssten: Eine lose Batteriehalterung, verstellte Schweinwerfer, zu niedriger Reifendruck, eingerissene Wischerblätter, abgesenkter Stand bei Kühlmittel und Bremsflüssigkeit, ein kaputtes Bremslicht sowie ein stark verschmutzter Luftfilter. Die Fahrzeuge wurden in eine Vertragswerkstatt der jeweiligen Automarke zum – dem Kilometerstand entsprechenden – Service gebracht. Nach der Mängelprüfung standen die Sieger eindeutig fest. Nur drei Betriebe arbeiteten fehlerlos. Die beste ausländische Werkstatt schaffte es hingegen nur auf Rang acht. "Insgesamt entdeckten heimische Betriebe 73 Prozent aller eingebauten Mängel – in den benachbarten Grenzregionen fanden die Kfz-Mechaniker hingegen nur 57 Prozent aller Fehler", resümiert Franz Floss.Die große Preisfrage In der Tat wird der Abstand zwischen In- und Ausland schon weniger groß, wenn man nicht die Mechanikerstunde, sondern die tatsächlich verrechneten Servicekosten miteinander vergleicht. Die Durchschnittskosten liegen in den Nachbarstaaten sehr nahe beisammen, zwischen umgerechnet 159 Euro in Tschechien, 165 Euro in Ungarn und 166 Euro in der Slowakei. Dagegen liegt der Durchschnittswert in Wien bei 323 Euro, in Niederösterreich bei 267 Euro und im Burgenland bei 231 Euro. Für Wiener ergibt das eine klare Ersparnis – sie zahlen im benachbarten Ausland rund die Hälfte weniger als in der Bundeshauptstadt.
Das genaue Ergebnis mit allen getesteten Werkstätten finden Sie in der Ausgabe 10/2004 des Verbrauchermagazin Konsument.

Das Ergebnis des Länder-Derbys: Die Werkstätten unserer neuen EU-Nachbarn arbeiten zwar im Schnitt um 40 Prozent billiger, übersehen aber auch mehr Mängel als heimische Betriebe. Die beste ausländische Vertragswerkstätte findet sich im "Konsument"-Ranking erst auf Platz acht. Allerdings: Auch auf teure Werkstätten ist nicht immer Verlass. "Teuer ist gut und billig ist schlecht – dieser Schluss ist ein Trugschluss", fasst der für Untersuchungen zuständige Bereichsleiter im VKI, Franz Floss, die Ergebnisse zusammen. 

Bildquelle: zurich-connect.at

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Das Test-Procedere

Neben der Mängelbehebung stand auch das Kundenservice auf dem Prüfstand. Pluspunkte gab es für die Besichtigung des Fahrzeuges durch den Kundendienstmitarbeiter vor Übernahme des PKWs, für detaillierte Rechnungen und für einen positiven Gesamteindruck des Betriebs.

Wie bereits in vergangenen Tests standen auch diesmal die lose Batteriehalterung und die verstellten Scheinwerfer an der Spitze nicht behobener Mängel. Nur 5 der 24 besuchten Werkstätten warfen einen Blick auf die Batteriehalterung, nur 8 überprüften die Schweinwerfer. Das Kühlmittel wurde hingegen gerne kontrolliert – in allen Fällen füllten die Kfz-Mechaniker die Flüssigkeit nach. Auch die Kontrolle des Bremslichts und der Bremsflüssigkeit war für 80 Prozent der Werkstätten kein Problem – was im Hinblick auf das hohe Sicherheitsrisiko dennoch unbefriedigend ist.

In puncto Kundenbetreuung endete das Nachbarschaftsderby unentschieden. Eines ist aber klar: Kundenservice allein, ohne entsprechende Arbeitsqualität, ist zu wenig.

Das zentrale Kriterium neben der Qualität der Arbeit ist der Preis. Die Mechanikerstunde ist zwar in den neuen EU-Staaten – aufgrund der Lohnkosten – deutlich niedriger, sie bietet aber letztlich nur eine grobe Orientierung. "Vor allem beim Autoservice in Vertragswerkstätten gibt es einen Pauschalbetrag, der unabhängig vom Arbeitsaufwand zur Verrechnung kommt. Auch Ersatzteile sind im Ausland nicht billiger", informiert Floss.

Deutlich niedriger ist hingegen der Preisvorteil der ausländischen Vertragswerkstätten im Vergleich mit jenen in Niederösterreich und dem Burgenland. Einzelne Werkstätten in diesen beiden Bundesländern können durchaus mit östlichen Betrieben mithalten. Ein Autohaus in Eisenstadt schafft es mit 138 Euro sogar, die Peugeot-Werkstätten in Ungarn und der Slowakei zu unterbieten – allerdings mit einem "weniger zufriedenstellenden" Ergebnis. Woran man sieht: "Ein günstiger Preis allein ist zu wenig, es muss auch die Leistung stimmen", so Floss. Umgekehrt kann man sich aber auch auf teure Werkstätten nicht immer verlassen. So verlangte eine Wiener Vertragswerkstätte für das Ford Focus-Service um fast die Hälfte mehr als sein Pendant in Neusiedl, musste aber um eine Stufe schlechter bewertet werden.

Bildquelle: Hotel AVIVA

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In jedem Fall Kontrolle

Tauchen nach dem Service oder einer Reparatur Mängel auf, haben Konsumenten in der EU grundsätzlich zwei Jahre Recht auf Gewährleistung. Wer sein Auto allerdings im Ausland zum Service bringt, muss seine Rechte auch dort durchsetzen. Taucht ein Mangel auf, heißt es nochmals in die Werkstätte fahren. Und das kostet Zeit und Geld. Das gilt es bei Reparaturen im Ausland zu bedenken. "Am besten schon bei Abholung des Fahrzeuges darauf schauen, dass die vereinbarten Arbeiten durchgeführt wurden bzw. der Schaden behoben ist", empfiehlt Franz Floss und warnt zudem: " Herstellergarantien sind oft an bestimmte Bedingungen beim Service geknüpft. Wer sein Auto in keiner Vertragswerkstätte reparieren lässt, könnte also den Garantieanspruch verlieren. Das gilt fürs Inland wie auch Ausland."

Wer sich nach allen Für und Wider zu einer Reparatur im Ausland entschließt, für den hält "Konsument" folgende Tipps parat:

Quelle: VKI