Bei Autounfällen erleiden Erwachsene auf der Rückbank eines neuen Autos viel eher eine gefährliche Verletzung als am Fahrer- oder Beifahrersitz. Darauf machen australische Forscher aufmerksam. "In neuen Autos fährt man deutlich sicherer als in alten. Der Schutz von Kopf, Bauch- und Brustbereich hat sich jedoch nur bei den Vordersitzen gebessert", berichtet die Studienleiterin Lynne Bilston.
Verkehrssicherheitsexperten schließen sich dieser Aussage voll an. "Die Autohersteller haben die Rücksitze in den letzten Jahrzehnten sehr vernachlässigt. Früher war die Rückbank sicherer, seit etwa 2005 ist es in Folge der vielen Airbags, Gurtstraffer und Gurtkraftbegrenzer jedoch der Fahrer- und Beifahrersitz", bestätigt Stefan Kerbl, Leiter der Testabteilung beim ÖAMTC.
Nur Kinder sind auf der Rückbank besser aufgehoben. "Der Grund dafür ist der verpflichtende Kindersitz, bei dem ein Airbag nur kontraproduktiv ist und sogar zum Tod führen kann." Das sei auch der Grund der bisherigen stiefmütterlichen Behandlung. "Die Crash-Tests platzierten bisher vorne stets Erwachsene, hinten werden Kinder in Kindersitzen platziert. Damit ein Auto in der Fünf-Punkte-Bewertung als 'sicher' galt, waren Airbags hinten bisher gar nicht notwendig."
Obwohl ein hinten sitzender Erwachsener eher die Ausnahme ist, dürfte sich bald etwas ändern. Der ÖAMTC-Experte kündigt innerhalb der nächsten fünf Jahre einen stärkeren Fokus auf die hinteren Sitze an. "Die Crash-Tests werden bald Erwachsene auch auf die Rückbank setzen und damit Druck auf die Autohersteller ausüben. Diese nehmen die stets strengeren Kriterien für fünf Punkte immer dankbar auf und setzen sie um, da Sicherheit ein wichtiges Kaufargument ist."
Der Aufwand für Airbags in der Vordersitzlehne für die Rückbank und gute Gurte ist heute gering, womit die Umsetzung nur eine Frage der Konstruktion ist. Ähnlich passierte es in der Vergangenheit mit der Gurtentwicklung oder mit dem Fußgängerschutz. "Die Sicherheit im Verkehr steigt durch diese ständigen, evolutionären Verbesserungen ständig. Vor 20 Jahren war es undenkbar, dass man nach einem Unfall mit Tempo 70 die Türen öffnen und meist überleben kann", so Kerbl.
pte
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