Autobahn ist nicht gleich Autobahn. Auf der Süd Autobahn zwischen Graz Webling und Graz West sind Lenker österreichweit am sichersten unterwegs. 50 Mal höher ist das Risiko, in einen schweren Unfall zu geraten, auf der Inntal Autobahn: Der gefährlichste Autobahnabschnitt Österreichs liegt zwischen Haiming und Ötztal. Das haben BMVIT, ASFINAG, KfV und ÖAMTC bei einem gemeinsamen Pilotprojekt im Rahmen von EuroRAP (European Road Assessment Programme) herausgefunden.
"Es sind genau 28 Kilometer im heimischen Autobahnnetz, auf denen erhöhtes Unfallrisiko besteht", weiß ÖAMTC-Verkehrstechniker Roman Michalek. Am sichersten unterwegs sind die Lenker auf exakt 104 Autobahnkilometern. Dazwischen liegen insgesamt 1.828 Kilometer, auf denen das Unfallrisiko zwischen "gering" und "mittel" bewertet ist. Das etwa 2.000 Kilometer lange Autobahnnetz in Österreich wurde vom ÖAMTC und seinen Partnern bezogen auf das Verkehrsaufkommen und die Unfälle mit Getöteten und Schwerverletzten in den Jahren 2000 bis 2003 untersucht. Daraus ergab sich eine Risikobewertung für insgesamt 405 Straßenabschnitte.
"Die kritischen Abschnitte sind nun lokalisiert, zum Teil ist die Sanierung bereits im Gange", erklärt ÖAMTC-Experte Michalek. Teilweise wurden Maßnahmen zur Verbesserung schon gesetzt, wie z.B. die Generalsanierung entlang der West und der Süd Autobahn. Michalek: "Dringender Handlungsbedarf ist in Problemzonen gegeben wie Schnellstraßen ohne bauliche Mitteltrennung, einröhrige Straßentunnel oder in schlecht gesicherten Baustellenbereichen."
Weniger erfreulich sind die Ergebnisse des österreichischen Pilotprojekts im Europa-Vergleich. Die bisher vorliegenden EuroRAP-Ergebnisse aus Großbritannien, Schweden und Niederlande zeigen, dass bis zu 90 Prozent der Autobahnnetze als "sicherste Straßen" bewertet werden - im österreichischen Autobahnnetz nur 13 Prozent aller Abschnitte. Von den bis dato vorliegenden Länderresultaten liegt lediglich Spanien in etwa gleich auf mit Österreich. "Natürlich sind die Straßen in den einzelnen Ländern auch unterschiedlichen Belastungen ausgesetzt und weisen deswegen unterschiedliche Risikopotenziale auf", erklärt Michalek. "So stellt der trans-europäische Lkw-Verkehr gerade in Österreich auch in Bezug auf die Unfallstatistik ein Problem dar."
EuroRAP wurde als Initiative zur Hebung der Verkehrssicherheit von europäischen Automobilclubs und Straßenverwaltungen gegründet. Ziel des Programms ist, die Straßensicherheit in ganz Europa systematisch und einheitlich zu bewerten und zu verbessern. Jährlich sterben über 50.000 Menschen auf den Straßen der 25 EU-Länder. Das entspricht in etwa der Einwohnerzahl einer mittelgroßen österreichischen Stadt wie St. Pölten oder Wels. Bis zum Jahr 2010 soll die Zahl der Verkehrstoten in der EU durch EuroRAP und andere Initiativen halbiert werden.
Quelle: ÖAMTC
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